Eine Anämie tritt auf, wenn die Menge an Hämoglobin (der rote Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen) unter den Normalwert abfällt und/ oder die Anzahl der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) absinkt. Das Hämoglobin wird für den Transport und die Lieferung des Sauerstoffs im gesamten Körper benötigt. Es gibt viele verschiedene Arten der Anämie; im Folgenden werden die häufigsten aufgeführt. Typische Ursachen von Anämien sind:
- Verlust von roten Blutkörperchen und Hämoglobin/ Eisen
- Gestörte Bildung von roten Blutkörperchen
- Angeborene Störung, z.B. bei Thalassämien
- Erworbene Störung, z.B. bei Knochenmarkschäden oder Tumormetastasen im Knochenmark
- Ineffektive Bildung von roten Blutkörperchen
- Nierenerkrankung mit verminderter Bildung von Erythropoietin
- Eisenmangel, Vitaminmangel
- Hämolyse, vermehrter Abbau bereits vorhandener Erythrozyten
- Verbrennungen
- Antikörper
- Vermehrter Abbau in der Milz (Hypersplenismus).
Eisen- und Vitaminmangel
Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Anämie und tritt gewöhnlich in Folge von Blutungen auf. In der Tat handelt es sich bei der Eisenmangelanämie um eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Meist handelt es sich hier um jahrlange geringgradige Blutungen, die im Alltag gar nicht auffallen. Bei Frauen kann der Grund in verlängerten und starken Menstruationsblutungen liegen, an mehreren Schwangerschaften. Bei älteren Frauen und Männern rühren die Blutungen in der Regel von Erkrankungen des Darms her. Bei Kindern und Schwangeren ist der Eisenbedarf erhöht, daher kann der Eisenmangel auch einfach durch eine zu geringe Eisenzufuhr über die Nahrung hervorgerufen werden. Auch bei extremen Ernährungsweisen kann es zu Eisenmangel kommen. Die Behandlung des Eisenmangels beinhaltet meist die Gabe von Eisenpräparaten in Tablettenform. Bei älteren Frauen und Männern sollten sich immer weitere Untersuchungen anschließen, um den Grund für den ungewöhnlichen Blutverlust festzustellen.
Schwangere und stillende Frauen entwickeln regelmäßig einen Eisenmangel, da das Baby große Mengen dieses Metalls für das Wachstum benötigt. Ein Mangel an Eisen kann zu einem geringen Geburtsgewicht und Frühgeburten führen. Frauen, die schwanger sind oder es werden wollen, werden daher häufig vorsorglich Eisenergänzungen verordnet, um diese Komplikationen zu vermeiden. Neugeborene, die von Müttern mit Eisenmangel gestillt werden, neigen ebenfalls dazu, eine Eisenmangelanämie zu entwickeln.
Bluttests zeigen zuverlässig ein unter Umständen normales oder niedriges Hämoglobin, ein erniedrigtes Eisen, niedriges Ferritin und normabweichende Indizes und Anzahl der roten Blutkörperchen. Die totale Eisenbindungskapazität (total Iron-binding capacity= TIBC) oder das Transferrin sind erhöht. Der Ferritin-Test wird als sehr spezifisch für die Identifizierung der Eisenmangelanämie angesehen, wenn nicht zugleich eine Infektion oder Entzündung vorliegt. Die Eisenkonzentration im Blut unterliegt einer ausgeprägten diurnalen Variation, daß heißt das die Werte abends sich deutlich von denen morgens unterscheiden. Daher sollte die Eisenbestimmung aus dem Blut immer zu vergleichbaren Zeitpunkten erfolgen.
Der Vitamin B12-Mangel ist seltener als die EisenmangelanämieZu den wichtigen Ursachen gehört eine inadäquate Aufnahme von Vitamin B12, insbesondere bei Alkoholkranken Personen, sowie die perniziöse Anämie, bei der der „Intrinsic Factor“, der für die Aufnahme des Vitamin B12 aus der Nahrung verantwortlich ist, duch Erkrankungen fehlt. Ein Vitamin B12-Mangel kann auch Nervenprobleme verursachen, die sich häufig in Form von Taubheit oder Kribbeln zunächst in den Händen und Füssen äußern. Das Hämoglobin ist hierbei niedrig und die roten Blutkörperchen ungewöhnlich groß.
Der Folsäuremangel kann ein ähnliches Muster von Veränderungen in den Hämoglobinwerten und den Indizes für die roten Blutkörperchen wie der Mangel an Vitamin B12 hervorrufen. Folsäure wird in vielen Nahrungsmitteln gefunden, besonders in grünem Blättergemüse. In den Vereinigten Staaten wird sie auch den meisten Getreideprodukten zugesetzt, so dass ein Folsäuremangel in den USA heute relativ selten gesehen wird. In der Schwangerschaft herrscht allerdings ein erhöhter Bedarf für Folsäure, so dass in dieser Zeit ein Mangelzustand entstehen kann. Dies hat besonders in dieser Zeit gefährliche Auswirkungen, da ein Folsäuremangel zu Entwicklungsstörungen im Bereich des Gehirns und Rückenmarks des Babies führen kann. Schwangere sollten daher immer Folsäurepräparate einnehmen. Bei unsachgemäßer Nahrungszufuhr im Rahmen der Alkoholerkrankung kommt es häufig zu einem kombinierten Mangel von Vitamin B12 und Folsäure.








